Dienstanweisung Verfahrensablauf und Dokumentation bei Verdacht auf Kindeswohlgerährdung

Vor dem Hintergrund von schwierigen Fallkonstellationen, im Bereich von Kindeswohlgefährdungund dem Anspruch professionell mit solchen Situationen umzugehen, haben sich in denletzten Jahren verschiedene Kommunen und auch der Deutsche Städtetag mit diesem Themaauseinandergesetzt.Zielsetzung war jeweils ein standardisiertes Verfahren zu entwickeln, das zum einen das sichereAbwenden der Kindeswohlgefährdung und zum anderen eine möglichst hohe rechtliche Absicherungder fallbearbeitenden Mitarbeiterinnen zur Folge haben sollte. Es muß also darauf hingearbeitetwerden, fachliche Standards zu benennen, deren Einhaltung auch unter rechtlichenGesichtspunkten (Garantenstellung des Jugendamtes) das individuelle Risiko begrenzen.Im Vordergrund steht der Schutz von Kindern und Jugendlichen (SGB VIII § 1 Abs. 3 Nr. 3,sowie Artikel 6 GG). Kinderschutz als Maßnahme gegen Kindeswohlgefährdung hat eine doppelteAufgabensteIlung: Ia) Zum einen geht es darum, Kindeswohl dadurch zu sichern, dass vor allem PSB in ihrerEigenverantwortung unterstützt und gestärkt werden (Hilfe durch Unterstützung).Die Erziehungsverantwortung bleibt bei den Eltern.b) Daneben sichert die Jugendhilfe anstelle der PSB, falls diese nicht bereit oder in derLage sind, durch Intervention das Wohl des Kindes. Dies geschieht durch Anrufungdes Familiengerichtes mit dem Ziel einer Entscheidung nach § 1666,1666a BGB undanschließender Inanspruchnahme von Hilfe zur Erziehung außerhalb der eigenen Familiedurch Pfleger oder Vormund nach § 27,33,34, SGBVIII oder in akuten Notfällendurch Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII oder durch Herausnahme nach § 43SGß VIII (Hilfe durch Intervention).Insofern ist das staatliche Wächteramt in dieser Doppelfunktion zu sehen. Es beinhaltet sowohldie Hilfe für das Kind als Unterstützung der Eltern, als auch die Hilfe für das Kind in Form vonKrisenintervention. Dabei ist bei der Wahl der Mittel der Grundsatz der Verhältnismäßigkeitmaßgeblich. Die sachgerechte Erledigung dieser Pflichtaufgaben erfordert die Einhaltung fachlicherBearbeitungs- und Verfahrensstandards.Eine Entscheidung nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit setzt zunächst eine Einschätzungder Art und Schwere der Beeinträchtigung des Kindeswohls voraus. Dabei ist zwischen denFällen mit einer weniger intensiven bis geringfügigen oder nicht akut drohenden Gefährdung desKindeswohls unterhalb der Eingriffsschwelle nach §§ 1666, 1666a BGB (Hilfe durch Unterstützung)und Fällen akuter Gefährdung durch Kindesvernachlässigung oder Kindesrnisshandlungoder akuter Wiederholungsgefahr bei bereits eingetretener Kindesmisshandlung (Hilfe durchIntervention) zu unterscheiden.Die nachfolgende Arbeitsanweisung bezieht sich in der Hauptsache auf den Bereich der Hilfedurch Intervention.In der Diskussion um Qualität und Qualitätssicherung von professioneller Arbeit innerhalb vonSozialen Diensten, deren Unterscheidung im allgemeinen in drei Qualitätsdimensionen vorgenommenwird: der Strukturqualität, der Verfahrensqualität und der Ergebnisqualität, kann dernachfolgende Verfahrensablauf der Verfahrensqualität zugeordnet werden. Damit soll ein Mindestmaßan standardisiertem Vorgehen in der Fallbearbeitung erreicht werden.Die Verpflichtung zum Tätigwerden des Jugendamtes I ASD ergibt sich aus dem Schutzauftragnach den Eingangs bereits erwähnten Paragraphen des SGB VIII I GG. Für die örtliche Zuständigkeitgelten die Regeln des § 86 SGBVIII. Im Zusammenhang mit der Notwendigkeit sofortigenHandeins ist auf den § 86 d SGB VII hinzuweisen, der den örtlichen Träger zum Tätigwerdenverpflichtet, in dessen Bereich das Kind sich tatsächlich aufhält.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Kontakt

wir sind umgezogen: 

http://wir-und-welt.jimdo.com/